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Albert Camus und die Existenz des Anderen

Kategorie(n): 
Einblicke
Veranstalter: 
Dezernat Hochschulkommunikation der RUB
Montag, 17. Februar 2020, 18:00
Etage: 
1

Im 20. Jahrhundert schrieb ein Pistolenschuss Literaturgeschichte: In Albert Camus’ Roman Der Fremde ermordet ein weißer Franzose am Strand von Algier scheinbar ohne Motiv einen jungen Mann, der im gesamten Text nur als der Araber bezeichnet wird. Die grausam-gleichgültige Tat und ihre nicht minder grausam-gleichgültige Erzählung eröffnen eine vielschichtige Reflexion über das Wesen des Anderen an sich und dessen Bedeutung für das eigene ‚Selbst‘.

Als Sohn französischer Siedler in Algerien war Camus ein Kind zweier Welten, dem die Aufgabe in die Wiege gelegt zu sein schien, zwischen dem Eigenen und dem Fremden fortwährend zu vermitteln. Die Auseinandersetzung mit dem Anderen, das Widerspiel zwischen Nähe und Distanz, Verständnis und Unverständnis, Zuneigung und Gleichgültigkeit, mit dem wir anderen Menschen, anderen Mentalitäten, anderen Blickpunkten begegnen, prägt das Werk dieses fulminanten und tiefgründigen Dichters der Moderne.

Der zeitweilige Weggefährte der Existentialisten und subtile Denker über die Absurdität des menschlichen Daseins hinterlässt ein Werk, das genauso viele Fragen aufwirft, wie es Antworten zu geben scheint. Camus’ 50. Todestag bietet somit einen willkommenen Anlass, um neue Einblicke in das faszinierende Universum seines Schreibens zu gewinnen. Anhand des Begriffs des Anderen bei Camus geht die Veranstaltung der Frage nach, ob Identität eine Praxis der Abgrenzung ist, oder ob der oder das Andere nicht vielmehr immer schon eine Variante, eine andere Möglichkeit des eigenen Selbst ist.

Referentin: Prof. Dr. Susanne Friede, Ruhr-Universität Bochum

öffentlich
ohne Anmeldung
Eintritt frei